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Buenos Dias Buenos Aires!

Congresso Argentina
Congresso Argentina

Flughafen London Heathrow auf dem Weg nach Argentinien. Eine freundliche Frauenstimme weist die Fluggäste darauf hin, dass unbeaufsichtigtes Gepäck „entfernt und zerstört wird“. So habe ich es gern: klare Ansage. Ein pflichtbewusster Inder nimmt die Sache besonders ernst. Er hält seinen Rollkoffer fest in der einen Hand, während er neben mir am Pissoir steht. Außerdem wickelt er am Handy noch diverse Geschäfte ab, neben dem kleinen. Auf Indisch, glaube ich zu erkennen. Mit indischem Akzent. Das überzeugt mich. Indien steht für Multimultitasking. Indien wird schon bald die ganze Welt beherrschen. Und zwar während es pisst (unabhängig vom Monsun). Argentinien kann kommen.

Der Flug nach Buenos Aires ist exorbitant gut. Das „exorbitant“ muss natürlich in Verhältnis zu meinen Erwartungen gesetzt werden. Aber meine Fresse, war das großartig! Essen (indisch medium scharf, ringsherum großes Schnäuzen), Pille einwerfen, neun Stunden schlafen, aufwachen, eine Episode „Modern Family“ gucken (die Kleine von den Homos kann jetzt schon sprechen!), Frühstück und dann noch gerade so je eine Folge „Curb your enthusiasm“ und „30 Rock“ – touch down. Dank der Thrombose-Strümpfe gab es nicht mal einen Schlaganfall zwischendurch.

Taxi oder Bus

Am Flughafen in Buenos Aires lasse ich mich direkt von einem Taxi-Betrüger ansprechen. Er führt mich zum nächsten Geldautomaten, was ich sehr freundlich finde. Anschließend lasse ich ihn links liegen und trinke erst mal Kaffee. Gott, bin ich ein Arsch zu Ärschen! Dann zuckel ich gemächlich mit dem Bus in die Innenstadt (Man kommt für 2 Pesos mit der Linie 8 – Abfahrt am Terminal C – ins Zentrum, für 45 Pesos mit einem privaten Busunternehmen oder für 75 bis 90 Pesos mit dem Taxi). Zwei Schweizer sind mit dabei, aber ich verstehe sie nicht. Die Luft riecht wie in Andalusien im Frühling. In der Innenstadt von Buenos Aires ist das etwas anders. Zu viel Verkehr. Aber immerhin mischt sich in den Abgasgestank auch der Duft von gegrilltem Fleisch.

 

"Zarte Versuchung" in Buenos Aires
„Zarte Versuchung“ in Buenos Aires

Mein Hotel (Ibis) liegt direkt am Kongress-Palast.Es ist, sagen wir mal, absolut zweckmäßig (Das Hotel, nicht der Kongress). 60 Euro pro Nacht, völlig okay. Schnell die Tasche abgegeben, dann geht es raus. Einfach erst mal loslaufen und gucken. Der erste Eindruck: sehr spanisch. Allerdings alles ein wenig angegammelt und baufälliger als in Madrid, por exemplo. Die Schere zwischen Arm und Reich ist sehr groß. Elegant gekleidete Menschen flanieren an Dutzenden Obdachlosen vorbei, die an vielen Ecken ihre Lager aufgeschlagen haben. Und auch das Preisniveau ist irgendwie aus den Fugen. Ohne ein konkretes Beispiel nennen zu können, hat man ständig das Gefühl ganz schön viel oder ganz schön wenig zu bezahlen, aber selten einen angemessenen Preis.

 Das kreative Buenos Aires

San Telmo wird mein erstes Ziel, wie ein Blick auf die Karte später verrät. Ein nettes Viertel mit Kreativlingen, wie mir scheint. Eine Boutique neben der nächsten Galerie und dem nächsten Schuhladen. Aber keineswegs langweilig, sondern wirklich interessant. Ich bin kurz davor mir Schuhe zu kaufen. Das muss ja nun wirklich nicht sein. Ich rette mich ins „El Desnivel“ und lerne die argentinische Vorliebe für Gegrilltes kennen. Ein, zwei Rinder liegen in Stücken auf dem riesigen Rost. Wenn man etwas mit Soße bestellt, so spricht man hier von „Crema“. Wer hier als Besser-Spanisch-Sprecher auf „Salsa“ beharrt, sieht schnell einen tanzenden Kellner vor sich.

Die angeblich meistspurigste Stadtstraße der Welt.
Die angeblich meistspurigste Stadtstraße der Welt.

Verdauungsspaziergang zum Plaza de Mayo. Hier steht das Casa de Gobierno. Auf einem der altrosa Balkone stand einst Madonna und sang, was eine gewisse Evita Peron zu einem Musical inspirierte. So oder so ähnlich muss es gewesen sein. Mit der Subte es geht zurück zum Hotel. Die U-Bahn scheint noch im Originalzustand ihrer Eröffnung zu sein. In Deutschland müsste man für eine Fahrt in solch historischen Wagen einen gehörigen Geschichtsaufschlag zahlen.

 

Buenos Aires Metro
Metro in Buenos Aires

Eine Bar in der Nähe des Congreso preist „Public Viewing Eurocup 2012“ an. Gut, dann schaue ich mir halt die zweite Halbzeit England-Ukraine an. Mit einem Gin-Tonic. Ich bin offenbar der erste, der diesen außergewöhnlichen Drink ordert. Ungläubiges Staunen über die Bestellung, dann wird aber so richtig serviert. Ein Glas Gin und eine Dose Tonica. Damit sich Tonica und Gin verbinden können, muss ich erst einmal das halbe Glas der sehr üppigen Portion Gin pur trinken. An dieser Stelle wollen die Argentinier die Großzügigkeit andalusischer Barkeeper nicht nur übertreffen, sondern als Geiz erscheinen lassen.

 

Der Argentinier mag es üppig.
Der Argentinier mag es üppig.

Ein deutscher Gast am Nebentisch regt sich tierisch auf über das nicht gegebene, klare Tor für die Ukraine. So sehr, dass ich keine Lust habe, seine nähere Bekanntschaft zu machen. Er scheint assimiliert, denn eigentlich alle Anwesenden sind gegen die Engländer. Historisch bedingt? Wahrscheinlich.

Der Jetlag trifft mich viel zu früh. Der Kampf dagegen ist schnell verloren. Mein erster Tag in Argentinien – zu früh zu Ende, aber ein schöner Anfang.