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Ratgeber Reiserecht: Ihre Rechte als Reisender

Als Anwalt, der viel unterwegs ist,  bekomme ich natürlich sehr oft die Frage gestellt, was man machen kann, wenn man mit dem Urlaub nicht zufrieden war. Das ist meistens kein Hexenwerk, wenn man die Formalien und (wenigen) Regeln des Reiserechts hält. Deshalb habe ich die wichtigsten wichtigsten Anworten auf Fragen des Reiserechts hier zusammengefasst. 

Sicherlich kommt es Ihnen bekannt vor, dass sie sich auf ihren Urlaub freuen und die Vorfreude sich noch steigert, wenn sie Fotos vom Hotel sehen und die Liste der Leistungen, die in ihrer Buchung enthalten sind. Genauso bekannt ist dann sicherlich das Gefühl, dass man enttäuscht aus dem Urlaub heimkehrt und sich fragt, ob man nicht Geld zurückverlangen könnte oder eine andere Form von Entschädigung, da der Urlaub nicht wirklich oder sogar in keiner Weise den Versprechungen des Veranstalters standgehalten hat. Dieser Beitrag soll eine Anleitung zur Geltendmachung von Mängeln im Urlaub bzw. auf der Reise sein. Es muss beachtet werden, dass es hierbei vornehmlich um Pauschalreisen geht. Bei einer Individualreise, also wenn man sich Flug und Hotel oder eine Rundreise selbst zusammenstellt, gelten andere Regeln

Im Reiserecht wird immer mehr vor Gerichten gestritten, so dass man mittlerweile gut einschätzen kann, wann ein Mangel vorliegt und es sich lohnt einen Anwalt einzuschalten, der ihre Forderung geltend machen kann. Es werden jedes Jahr unzählige Urteil im Reiserecht gefällt.

1. Was ist ein Mangel? Wann liegt ein solcher vor?

Unter einem Mangel im Urlaub versteht man die Abweichung der Leistungen des Reiseveranstalters von denen im Reisevertrag genannten. Zu dem Reisevertrag gehören auch die Prospekte des Veranstalters oder Zusatzvereinbarungen, die sie mit dem Veranstalter abgeschlossen haben. Sie müssen aber auch die landestypischen Gegebenheiten (bspw. bei langen Wartezeiten, Mückenstichen, …), den Namen der Reise (Sportreise, Wellnessreise, …) bei der Beurteilung des Mangels im Urlaub berücksichtigen. Ein Anwalt kann ihnen dabei weiterhelfen, der bereits mit Urteilen im Reiserecht Erfahrung hat, denn es kommt oft auf eine genaue Differenzierung der Umstände an.

2. Welche Fristen müssen für die Geltendmachung von Schäden eingehalten werden?

Grundsätzlich gilt eine Monatsfrist zur Geltendmachung eines Schadens. Auf diese muss der Reiseveranstalter aber gesondert hingewiesen haben und zwar bereits vor dem Reiseantritt. Dies kann im Rahmen der Reisebestätigung erfolgen oder es genügt die Nennung der Frist in einem Katalog, sofern dieser dem Reiseteilnehmer ausgehändigt wurde.
Wenn auf die Monatsfrist nicht hingewiesen wurde, kann ein Urlauber auch noch länger einen Schaden geltend machen. Dieser Zeitraum beträgt zwei Jahre und beginnt mit dem letzten Tag, an dem der Urlaub enden sollte, zu laufen.
Achtung! Es kann auch sein, dass der Veranstalter des Urlaubs, die Frist auf ein Jahr verkürzt hat. Dies ist ihm aus gesetzlicher Sicht möglich. Daher prüfen sie ihren Vertrag, was in diesem festgelegt ist.

3. Eine Anleitung zum Vorgehen bei Entdeckung eines Mangels im Urlaub.

Wenn ihnen ein Mangel während des Urlaubs auffällt, sollten sie umgehend die Reiseleitung kontaktieren, damit Abhilfe geschaffen werden kann. Denn es muss nach deutschem Recht, je nach Zumutbarkeit, noch im Urlaub der Mangel beseitigt werden. Sollte es nicht möglich oder zumutbar sein, den Mangel zu beseitigen, müssen sie innerhalb der Monatsfrist eine Beschwerde mit ihrem Verlangen und dem Grund dafür an den Reiseveranstalter, dies ist meist der Vertragspartner, senden.
Zur Erleichterung ihrer Beweisführung sollten sie schon im Urlaub Fotos des Mangels machen oder bei einer Verspätung von Bahn, Flugzeug, usw. eine Bestätigung des jeweiligen Unternehmens einholen oder diesen in einer sonstigen Art und Weise dokumentieren. Dies stützt sowohl ihre Argumentation bzgl. des Mangels und macht es auch dem Anwalt leichter dem Gericht eine schlüssige Beweiskette vorzulegen.

So, nun sind eigentlich die wesentlichen Dinge erklärt. Wenn sie sich nicht sicher sind bzgl. Ihrer weiteren Vorgehensweise, sollten sie einen Anwalt kontaktieren. Dieser kann ihnen helfen, bei der Frage nach dem richtigen Anspruchsgegner oder ob sie noch fristgerecht handeln. Ein Anwalt kann auch ihre Erfolgschancen im Prozess einschätzen, falls sie sich nicht mit ihrem Vertragspartner außergerichtlich einigen können.