Home » Von Miami bis Cape Cod – Running with the family Teil 2

Von Miami bis Cape Cod – Running with the family Teil 2

"Hurrican Swimmers" beim Regen im Pool © Foto Dirk Roß
„Hurrican Swimmers“ beim Regen im Pool © Foto Dirk Roß

Zum ersten richtigen Urlaubstag begrüßt uns „Bonnie“ mit einer Wasserwand. Bonnie ist die Nummer 2 der diesjährigen Sturmsaison. Der peitschende Regen macht die ersten Runden im Pool ganz schön anstrengend. Im Weatherchannel gibt es kein anderes Thema mehr. Dan schaltet live zu Katie, die am südlichsten Punkt der Florida Keys steht.

Der südlichste Punkt der Keys ist der südlichste Punkt der USA, wie man einer riesigen Säule hinter Katie entnehmen kann. Für sehbehinderte Zuschauer erwähnt Katie diesen Fakt aber freundlicherweise auch in jedem zweiten Satz. Viel mehr gibt es auch nicht zu berichten. Denn Bonnie ist noch nicht bei den Keys angekommen und so fehlen den Livebildern jegliche Dramatik. Aber Katie ist Medienprofi. Und deshalb weiß sie, wie man jederzeit die Zuschauer fesseln kann. In diesem Fall mit einem iPad. Das hält sie in die Kamera und berichtet, dass man auf dem iPad über den Internetauftritt von Weatherchannel dramatische Satellitenbilder von Bonnie sehen kann. Leider kann der Zuschauer das nicht so richtig sehen, weil die Sonne zu sehr auf dem Bildschirm spiegelt. Aber wir glauben Katie mal. Dan bedankt sich bei Katie für die topaktuellen Informationen und wird erst in etwa einer Minute wieder zu Katie schalten, um sich die neusten Neuigkeiten von Katie via Internet und iPad, direkt vom Ort des Nichtgeschehens berichten zu lassen. Hyper Hyper! Wo wären wir nur ohne all diese technischen Möglichkeiten?! Katie wäre allerdings besser auf unserem Balkon aufgehoben. Das hätte echte Bonnie-Drama-Bilder gegeben. Allerdings hätte sie dann auch kaum ihr iPad ständig in die Kamera halten können.

Irgendwas mit Medien

Die Generation „Irgendwas mit Medien“ hat ihren Platz gefunden. Aber ich will nicht hämisch sein, bin ich doch selber in diesen Strudel geraten …

Eier, hier liegen Eier!
Eier, hier liegen Eier!

Nach ein, zwei Stunden hat sich Bonnie weitgehend ausgetobt und ist weitergezogen. Zeit für „USA Today“. Gleich auf der ersten Seite macht das Top-Blatt mit den Ergebnissen einer hochinteressanten Umfrage auf: Auf welche tägliche Routine können Sie auch im Urlaub absolut nicht verzichten? Mit 18% auf Platz 3: Make Up auftragen. Eine tägliche Routine die hier in Florida durchaus beide Geschlechter betreffen kann. Das gilt auch für den zweiten Platz (22%): Rasieren. Wobei die Bikini-Zone für viele Amerikaner eigentlich kein Problemfeld mehr ist. Die Badebekleidung geht nämlich immer mehr in Richtung Ganzkörperverhüllung. Eine Mode, die vielleicht die Soldaten aus Afghanistan mitgebracht haben. Die Annäherung zwischen Evangelikalen und Islamisten in religiösen und moralischen Fragen ist vorbildlich. Ach so, Platz 1 der nicht verzichtbaren Routinen im Urlaub fehlt ja noch: Beten. 28% aller täglichen Beter bleiben das auch in den Ferien. Wer bei der Umfrage übrigens „Rasieren“ und „Beten“ gleichzeitig angegeben hat, steht jetzt in der „Home Security“-Datei potenzieller Schläfer. So schnell kann´s gehen im Land der Freiheit.

Weiter hinten berichtet „USA Today“ dann noch, dass Camping der Mega-Trend unter den Amis ist. Kostengünstig, familiär und Teil der „Simplyfi“-Bewegung. Vereinfachung und Reduzierung ist DAS Thema hier. „Fox News“ macht es vor.

Wo in den USA die rote Flagge gehisst wird, fängt für den Europäer erst der Spaß an.
Wo in den USA die rote Flagge gehisst wird, fängt für den Europäer erst der Spaß an.

Das Hotel ist gut ausgesucht als Startpunkt für eine große Tour, an deren Beginn der Jetlag steht. Sehr geräumige Zimmer, beziehungsweise kleine Wohnungen, die vielleicht etwas weniger Blumen-Dekor vertragen hätten. Aber Blumen-Designs scheinen hier bereits seit der Landung der Spanier in Mode zu sein. Die Lage direkt am Strand ist jedenfalls wirklich toll und das Gebäude angenehm klein inmitten großer Hotelbunker. Am Nachmittag ist der Bonnie-Spuk ganz vorbei. Einerseits gut, weil man außerhalb des Pools jetzt trocken bleibt. Andererseits wittert ein Wedding-Crasher jetzt seine Chance, uns mit seinem Keyboard zu malträtieren. Bei „All Night Long“, die Vocal-Spur im Steeldrum-Sound, hat er es geschafft und treibt uns zum Strand. Dort weht zwar die rote Fahne, aber für Europäer ist die Brandung durchaus im planschbaren Bereich.

Wo in den USA die rote Flagge gehisst wird, fängt für den Europäer erst der Spaß an.

Vorbei an den von engagierten Umweltschützern eingezäunten Schildkröten-Eiablagestätten läuft man nur etwa ein, zwei Kilometer ins Meer, um dann festzustellen, dass man auch dort noch im hüfthohen Wasser steht. Ist aber auch egal, weil sowieso alles gleich warm ist. Abends zwei Long Island Iced Tea in der fast leeren Bar. Ist halt ein Familien-Hotel. Im Fernsehen läuft David Letterman. Zu Gast sind Bruce Willis und Paul McCartney. Da fragt man sich doch, warum um Himmels Willen in Deutschland Late Night nicht funktioniert …